Über das Wesen der Blogger

Mittwoch, 3. September 2008, 18:51, Pierre Markuse

Über das Wesen der Blogger

Über das Wesen der Blogger, zu schreiben scheint fast müßig. Menschen wie Ihre Einstellungen und Meinungen gibt es wie Sand am Meer, ähnlich ist es mit den Bloggern. Mehrere Blogger mögen sich ähneln, wirklich identisch sind sie nicht. Warum bloggt man, für wen bloggt man und was bloggt man überhaupt. Will ich der Welt etwas mitteilen oder mich nur von einer Last befreien und mir etwas von der Seele schreiben? Der Blog als modernes Tagebuch.

Auch schüchterne Menschen bloggen. Was und wie viel man von seiner Person, seinem Selbst, preisgibt, kann jeder Blogger für sich entscheiden. Man kann rein sachlich-informative Blogeinträge verfassen ebenso wie man leidenschaftlich Partei für alles und jeden ergreifen kann. Vielleicht helfen Blogs gerade schüchternen Menschen, die sonst still geblieben wären.

Einen „richtigen“ Weg für ein Blog gibt es nicht. Und so ist es doch gerade die Vielfalt der Blogs, die die Blogosphäre so interessant werden lässt. Zu fast jedem Thema finde ich ein Blog. Ernstes und abstruses, unterstützendes wie oppositionelles.

Blogosphäre?

„Blogosphäre“ – was ist das überhaupt? Ist die Blogosphäre die Gesamtheit aller Blogs und Blogger mit ihren mehr oder weniger stark ausgeprägten Regeln und Verhaltenskodex? Eigentlich ein schwammiger Begriff, wie auch die Regeln, der Kodex der Blogosphäre keineswegs in Stein gemeißelt sind und von unterschiedlichen Bloggern unterschiedlich interpretiert werden.

Schaut Euch folgende Aussagen an:

  1. Es ist nicht in Ordnung die Blogartikel anderer Blogs einfach zu kopieren.
  2. Es ist nicht in Ordnung Trackbacks auf Artikel zu setzen, auf die ich mich nicht beziehe.
  3. Es ist nicht in Ordnung Werbung auf dem Blog zu machen.
  4. Es ist nicht in Ordnung Geld für Artikel zu nehmen, die nur der Werbung dienen.
  5. Es ist nicht in Ordnung für Geld Artikel zu verfassen, die der eigenen Meinung widersprechen.

Während bei Punkt eins und zwei ein Großteil der Blogger einer Meinung sein dürfte, ist dies ab Punkt drei nicht mehr der Fall. Soll ich als Blogger Werbung machen, oder noch schlimmer, darf ich meine Meinung mit komplett gekauften, der eigenen Ansicht widersprechenden Artikeln, verkaufen?

Wo man seine Grenzen setzt, bleibt dem jeweiligen Blogger überlassen. Diskussionen darüber, was man in Blogs machen sollte und was nicht, sind gut. Böswillige Beschimpfungen weil andere Blogger andere Ansichten haben, sind es nicht. Ein Vorteil des Internets ist es doch, dass ich mein „Programm“ komplett selbst gestalten kann. Wenn mir etwas nicht gefällt, schaue ich es mir eben nicht an.

Natürlich darf jeder eine eigene Meinung haben, und diese auch frei äußern. Gern gelästert wird immer über Werbung in Blogs. Viele Blogger sehen Werbung in Blogs nicht gerne. Diese Meinung kann ich durchaus verstehen, auch wenn ich sie nicht teile. Deswegen aber alle Blogs, die Werbung machen, zu verteufeln oder zu behaupten diese werbenden Blogs würden den Charakter von Blogs zerstören und die Blogosphäre verraten halte ich für falsch.

Es gibt gute Blogs, es gibt schlechte Blogs (wobei das eine rein subjektive Bewertung ist). Werbung macht ein Blog weder gut noch schlecht. Im schlimmsten Fall macht Werbung ein Blog nervig.
Die Blogosphäre scheint sich in den letzten Monaten zu verändern. Ich habe den Eindruck, man stößt immer häufiger auf Intoleranz und vorgefertigte Meinungen. Die Stimmung ist immer weniger herzlich und es entsteht mehr und mehr der Eindruck eines Konkurrenzkampfes.

Das soll nicht falsch verstanden werden. Auch ich möchte, dass mein Blog von vielen Menschen gelesen wird. Ich freue mich über jeden neuen Leser, über jeden Kommentar. Menschen lieben den Leistungsvergleich und Webverzeichnisse mit Zugriffsstatistiken sind der neue digitale „Schwanzvergleich“.

Konkurrenzdenken und Linkgeiz

Aber besonders im deutschsprachigen Teil der Blogosphäre wird das meiner Meinung nach zu verbissen gesehen. Der immer stärker werdende Linkgeiz ist Ausdruck dieses Phänomens, denn wenn ich eine Quelle verlinke, schenke ich einem „Konkurrenten“ ja Traffic und das geht ja mal gar nicht. So wird leider immer öfter gedacht. Ebenso der Einsatz von verstümmelten NOFOLLOW-Links, damit bloß niemand vom LinkJuice profitiert und alles auf der eigenen Seite bleibt. Das finde ich ein wenig schade. So viel vergibt man sich auch nicht, wenn man hier und da andere Blogs richtig verlinkt.

NOFOLLOW hat durchaus seine Berechtigung um z.B. auf der eigenen Seite den Flow des LinkJuice zu kontrollieren und Seiten wie das Impressum oder ähnliches auszuschließen, aber es sollte nicht zur Regel für jeden externen Link werden. Auch in den Kommentaren sollte NOFOLLOW nur angewendet werden, wenn jemand sich nicht an die Regeln hält und z.B. auf unpassende Seiten verlinkt oder einfach nur Werbung machen will. Richtige Kommentare verdienen auch einen richtigen Link.

In der Blogosphäre fehlt leider immer öfter, was auch im realen Leben etwas zu kurz kommt, Toleranz!



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4 Kommentare zu “Über das Wesen der Blogger”

  1. In der Blogosphäre fehlt leider immer öfter, was auch im realen Leben etwas zu kurz kommt, Toleranz!

    Jup Pierre da stimme ich dir 101% zu. Das Konkurrenzdenken ist echt übelst aber um so schöner wenn man auf Blogbetreiber trifft auf die das nicht zutrifft … :-)

  2. @Milos: So selten sind Sie gar nicht… :-) Du bist doch auch einer.

    Weiß nicht, ob das auch mit der Mentalität hier zu tun hat. Die Blogger in den USA scheinen das nicht so verbissen zu sehen. Und da ist die Konkurrenz noch viel größer.

  3. …und immer das liebe Geld.
    Bedenklich finde ich es auch, wenn für gute Quote (klickraten) geschrieben wird.
    Habe selber auch schon mal meinen Senf dazu geschrieben:
    http://wordpressblog.funkygog.de/2008/08/vom-meerschweinchen-zum-millionaer/