YIGG am Abgrund…?
YIGG am Abgrund…?
Bei meedia.de findet sich dieser Artikel von Alexander Becker über den Relaunch von YiGG. Er spricht, wie viele Blogs vor ihm, die Probleme an die es beim Relaunch gab, sowie den damit einhergehenden Verlust an Usern und Traffic.
Diese fehlenden User machen sich dann bemerkbar in der Art der Nachrichten, die auf die Startseite gelangen. Ist auch leicht nachzuvollziehen, bei weniger aktiven Usern ist es einfacher eigene Interessen durchzusetzen und auch Nachrichten zu pushen, die von der breiten Masse eigentlich nicht gern gesehen werden. Das ist aber ein Problem, dass sich mit wachsender Nutzerzahl wieder legen wird. Je mehr Nutzer, desto besser die Qualität der Nachrichten, die es auf die Startseite schaffen.
Auch der an vielen Stellen erwähnte Trafficverlust bei YiGG ist eine Folge des Relaunch. Trotzdem sollte man sich nicht zu sehr auf die Zahlen von Alexa, Google Trends oder ähnlichen Diensten verlassen. Diese mögen gut sein, einen Trend anzugeben doch für wirkliche Vergleiche eignen sie sich nicht unbedingt. Dies lässt sich auch leicht überprüfen, wenn man die Zugriffstatistiken der eigenen Seite mal mit den Charts bei Alexa oder Trends vergleicht. Beide liegen teilweise ziemlich daneben.
Ein Relaunch führt zwangsläufig anfangs zu einem Verlust von Usern. Die Leute haben sich ganz einfach an die alte Seite gewöhnt und die plötzliche Änderung gefällt nicht jedem und sie springen ab. Oder sie waren schon länger nicht mehr wirklich interessiert und nehmen diese Änderung nun als Grund abzuspringen.
Das neue Design von YiGG, dass ich übrigens auch nicht so toll finde, hat nicht viel Anklang gefunden. Fehlende Funktionen und das gewöhnungsbedürftige Äußere dürften einige User gekostet haben. Doch die fehlenden Funktionen werden nachgeliefert und auch das Design soll ja noch überarbeitet werden.
Kritik kommunizieren – Nicht ohne Risiko
Michael Reuter, CEO von YiGG, hat auf den Artikel von Alexander Becker direkt mit einem Kommentar reagiert, aber auch einen eigenen Artikel auf seinem Blog verfasst.
In diesem Artikel sagt er:
Und im Unterschied zu webeinsnulligen Angeboten kann jeder Nutzer seine Kritik an YiGG direkt bei uns abladen und online stellen. Das sieht – bei starker Kritik -schlimm aus, weil man diese Offenheit nicht gewöhnt ist. Wo sonst hat der Nutzer diese Möglichkeit, seiner Meinung eine Stimme zu geben?
Und ich glaube, damit liegt er gar nicht so falsch. YiGG geht offen mit Kritik um und deshalb findet man auch viele Diskussionen über YiGG und eventuelle Fehler. Verglichen mit anderen Projekten scheint diese Kritik deshalb unglaubliche Ausmaße zu haben und führt dazu, dass immer mehr User ganz einfach glauben, hier stimmt etwas nicht. Bei so viel Kritik muss doch etwas faul sein.
Diese übermäßige Präsenz der Kritik kann sicherlich dazu beitragen dem Image von YiGG zu schaden.
Alexander Becker schreibt dazu in seinem Artikel:
Zugegeben: Kern und Reuter betreiben ein vorbildliches Krisenmanagement. Sie beteiligen sich aktiv an jeder Web-Diskussion über ihre Seite und stehen immer offen Rede und Antwort. Trotzdem schwebt ihre Plattform in der Gefahr, dass bald alles zu spät ist. Denn so langsam könnte ein negativer Image-Sog entstehen, der dafür sorgt, dass immer Nutzer ihre Sympathien für Yigg verlieren.
Kritik zu kommunizieren kann also hilfreich sein, bei zu viel Kritik entsteht aber auch leicht ein Bild, dass viele User einfach abschreckt und, wie Alexander Becker schreibt, ihre Sympathien für YiGG verlieren lässt.
Social-News-Plattformen in Deutschland – Ein Trend der erst noch zünden muss
Ein weiterer Faktor dürfte sein, dass Social-News-Plattformen in Deutschland einfach noch nicht so bekannt, und deren Nutzen noch nicht in der Form erkannt wurde, wie das in den USA der Fall ist.
Alexander Becker schreibt in seinem Artikel:
Der Wachstumseinbruch bei Yigg und die schwache Performance bei Webnews legen die Vermutung nahe, dass der deutsche Markt gar kein so großes Interesse an Social News-Plattformen zu haben scheint.
Und sicherlich liegt er damit momentan richtig. Das Interesse an Seiten wie YiGG oder Webnews in Deutschland ist einfach geringer als das Interesse der US-Amerikaner an digg.
Aber bleibt das auch so? Die meisten Trends aus den USA brauchen in Deutschland eine gewisse Anlaufzeit. Ich glaube, es können auch in Deutschland in einiger Zeit mehrere Social-News-Plattformen nebeneinander existieren, die dann unterschiedliche Usergruppen abdecken. Es braucht halt nur noch etwas Zeit.
Wenn YiGG weiterhin daran arbeitet die Fehler auszubügeln und das Design etwas Massenkompatibler gestaltet, wird es nur eine Frage der Zeit sein bis sich auch neue User einfinden. Und auch für andere Social-News-Plattformen werden noch User übrig bleiben.
Man darf aber auch nicht vergessen, dass der deutschsprachige Teil des Internet einfach viel kleiner ist als der englischsprachige und, wie oben bereits erwähnt, dieser Trend in Deutschland, und ich nehme auch mal Österreich die Schweiz und Luxemburg dazu, einfach noch eine längere Anlaufphase braucht.
Steht YiGG also am Abgrund?
Ich würde sagen, nein. YiGG steht vor einer ganzen Reihe kleinerer und größerer Schlaglöcher. Wenn aber der Wagen in Ordnung ist, sollten die kein Problem sein.
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[...] der User wieder zu gewinnen und außerdem gibt es noch Hoffnung für Yiggleser, denn dieses Relaunch Desaster soll nochmals überarbeitet werden, fehlende Funktionen sollen nachgerüstet werden und ein [...]
Ich sehe das kritischer. Digg ist groß geworden, weil die die Idee erfunden hatten. Und als erster ist man naja erster. Und damit hat man den Markt für sich. Und die User waren am Anfang Blogger und Digger und erst dann kam die SEO-Asis.
In Deutschland gab es relativ zeitgleich die Clones und dummerweise quasi vom ersten Tag an die SEO-Asis. Es hat sich nie eine wirkliche Community gebildet. Bei Yigg gibt es einen Ansatz einer Community, bei Webnews etc. gar nix. Auch gibt es fast nirgendwo einen Yigg-Button *alleine*, so wie ihn früher Digg lange hatte.
Ich sehe eine durchaus realistische Gefahr, dass der Markt so bleibt wie er ist: Einen Haufen irrelevanter Social News Portale nebeneinander.
Aber in DE ist Digg ja nicht wirklich groß. Wenn die einen Ableger hier in DE hätten, wäre das sicher ein fetter Konkurrent für die deutschen Portale.
SEO ist so eine Sache. Klar, wer seine Seite irgendwie vermarkten will muss SEO betreiben, was ich aber nicht verstehe, warum schreiben plötzlich alle über SEO? Und noch viel schlimmer, viele nennen Ihr Blog SEO-Blog und schreiben da dann Dinge die selbst meiner Oma bekannt sind. Wirklich gute SEO-Blogs gibt es nicht viele.
Die SEO-Themen werden aber mit steigender User-Zahl bei den Portalen langsam aber sicher unwichtiger werden, weil die Nachrichten, die von einer größeren Masse gelesen werde eher in Richtung Mainstream gehen und nicht so spezielle Dinge wie SEO.
Das es einen haufen irrelevanter Portale geben wird, glaube ich auch. Es werden sich aber bestimmt 2 oder 3 Portale durchsetzen die Relevant sind.
Wenn große Konzerne wie Holtzbrinck, etc., in Social Newsgroups investieren, kann es nicht so verkehrt sein, Nachrichtenseiten in Deutschland zu betreiben.
Schön geschrieben. Ich persönlich glaube, dass die Entscheider die Designfrage zu stiefmütterlich behandelt haben. Ich neige selbst dazu, was man auch bei Infopirat ab und an kritisiert. Man kann dies auch sehen an Kommentaren von KMR wie “Jeder soll selbst entscheiden können, die User können ja die CSS anpassen”. Gut formuliert, aber unrealistisch und an der Zielgruppe vorbei. Ungeachtet dessen auch von mir meine Hochachtung für das Krisenmanagement bei Yigg. Ich verfolge das die ganze Zeit und bewundere ihre geradezu abartige Geduld sehr.
@egghat:
Nein, Digg ist nicht Erfinder der Social News, sondern Oneview aus Deutschland. Und zum Thema SEO: In USA wird schonmal gar nicht so differenziert wie Du es grade tust. Ein guter Blogger sorgt auch für gute SEO. Und die Begriffe “Linkbait” und “SMO” wurden erst durch Digg geprägt – das Gegenteil von dem von Dir gesagten trifft also zu. SEO/SMO war bei Digg von Tag 1 Programm. Und ohne die von Dir so gescholtenen “SEO-Asis” (sic) sähe es auf diesen Portalen ziemlich mau aus, vor allem in Deutschland.
Ich bin selbst oft fassungslos bei den peinlichen Spam-Versuchen mancher Blackhat-SEOs in Deutschland – ich lösche täglich Dutzende von solchen Beiträgen bei Infopirat. Aber auf der anderen Seite haben wir SEOs, die sehr wohl verstanden haben wie gute SMO funktioniert und sehr interessante Stories ausgraben und speichern.
@Pierre Markuse: Digg ist dehalb nicht gross in DE, weil das Speichern von fremdsprachigen Beiträgen dort untersagt ist. Ausserdem: Hast Du da mal was gebookmarkt? Unterirdische Resonanz
@Francis:
Das mit dem Design stimmt, anpassen ist zwar möglich, doch wenn man ehrlich ist machen sich nur wenige Nutzer die Mühe bzw. viele können es auch einfach gar nicht. Dann sollte man lieber ein paar vorgefertigte Designs zum Wechseln anbieten.
Zu Digg: Stimmt, fremdsprachig wollen die noch nicht. Habe Digg aktiv auch kaum genutzt, schaue mich dort aber gerne um, auch wenn man wirklich interessante Sachen mit der Lupe suchen muss. Trotzdem gibt Digg immer einen netten Überblick, was gerade so im Gespräch ist. Übrigens finde ich Digg ansatzweise schon etwas überladen, vor allem die Startseite.
Jep, zum Diggen eignet sich Digg wirklich gut
. Wobei für Trends Techmeme sogar noch etwas besser ist, finde ich. Ist sehr schade wie sich Technorati entwickelt hat. DAS wäre eigentlich der Anwärter schlechthin gewesen…
Ja, Technorati lässt eindeutig nach. Habe auch das Gefühl die Seite wird immer langsamer.
Ich bin gespannt welche Portale sich hier in DE durchsetzen werden. Es ist wichtig, dass ein Portal zu gewisser Größe anwächst bevor Digg den deutschen Markt betritt. Ansonsten würde Digg sicherlich auch in DE die Nr. 1 werden. Allein der Name dürfte schon viele User bringen.
Ja, da bin ich ich auch gespannt, sehe den Konkurrenzfaktor aber etwas anders. Ich glaube, dass eine so starke Marke evt. die Power hätte den Mainstream Markt in DE anzuzapfen. Dadurch würden aber auch die anderen Services gestärkt. Spannend! Wobei Digg beim Mainstream in DE wahrscheinlich unbekannt ist. Da müsste dann schon Bild und RTL berichten, ähnlich wie beim Chrome Release von Google
Ich glaube derweil etwas anderes: Google wird innerhalb der nächsten 2 Jahre die Votingfunktion für Suchergebnisse (die einzelnen Links lassen sich dann bewerten) veröffentlichen. Das wird für uns Social News Seiten ein viel fatalerer Schlag sein. Und die SERPs im Gegenzug noch besser werden lassen. Google ist dann quasi überhaupt nicht mehr einzuholen.
Von einer Votingfunktion bei Google halte ich nichts. Das führt nur zu Manipulationsversuchen und ist meiner Meinung nach auch überflüssig.
Aber warum sollte diese Votingfunktion für Social News Seiten ein Problem sein? Die Hauptaufgabe der Social News Seiten ist es doch interessante Stories zu präsentieren. Google würde mit der Votingfunktion doch nur eine Zusatzinfo zu einem von mir gelieferten Suchwort liefern, aber nicht wie Social News Seiten, mir aktuelle Trends und interessante Artikel präsentieren.
Tragischer fände ich da schon die Übernahme von Digg durch Google und die folgende Ausdehnung des Service auf andere Sprachen. Bedingt durch die starke Marke Google würde Digg oder dann “Google Digg” kaum einzuholen sein.
Stell Dir mal Google (News, Blogs, SERPs etc.) vor mit ‘nem kleinen Link: “Sortieren nach Beliebtheit: 1 Stunde, 12 Stunden, Heute, diese Woche, diesen Monat”.
Diggoogle: 100% Zustimmung. Die Digg Übernahme durch Google ist ja bereits gescheitert – und das zu einem ziemlich fortgeschrittenen Zeitpunkt. Es ist wohl davon auszugehen, dass Google bei genauerer Prüfung festgestellt hat, dass eine Übernahme kein grosser Gewinn für Google ist. Technisch und von der Userbase her.
OK, Google mit einer solchen Sortierfunktion wäre eine gewisse Konkurrenz. Es lässt sich schwer einschätzen, ob das “klassische” Social News Portale soweit unter Druck setzen würde, dass sie verschwinden.
Social News Portale müssen ihre Stärken besser nutzen, zum Einen eine möglichst aktive Community und außerdem die Möglichkeit zur Spezialisierung auf ein enger fokussiertes Themengebiet.
[...] habe bereits schon mal geschrieben, dass der offene Umgang von YiGG mit Kritik vielleicht dazu beiträgt, dass die [...]
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