Reich-Ranickis Breitseite – Gerechtfertigt?
Reich-Ranickis Breitseite – Gerechtfertigt?
Die Ablehnung des Deutschen Fernsehpreises durch Marcel Reich-Ranicki mag einige überrascht haben, doch ist die Breitseite die Reich-Ranicki auf die deutsche Fernsehlandschaft abgefeuert hat gerechtfertigt?
Bei DWDL.de gibt es dazu einen Artikel von Thomas Lückerath, der spricht darin interessante Punkte an, von denen ich einigen nur zustimmen kann.
So stimmt sicherlich jeder mit Reich-Ranicki überein, dass in der deutschen TV-Landschaft Formate laufen, deren Niveau man getrost als “nicht vorhanden” angeben kann. Aber wird man denn gezwungen solche Sendungen zu sehen?
Lückerath sagt in seinem Artikel:
Denn auch in der Literatur kann ich an die falschen Bücher geraten – und würde nicht auf die Idee kommen, den Buchdruck oder das Medium zu verteufeln.
Und heute sind wir doch in der (glücklichen?) Lage nicht nur unter zwei oder drei Programmen wählen zu können, sondern unter Dutzenden. Man muss nur gewillt sein, die Programme auszuwählen, auf denen Sendungen mit einem gewissen Anspruch laufen.
Vielleicht fehlt es oftmals nur an der nötigen Medienkompetenz, mit Sicherheit eine Fähigkeit, die in Zukunft immer wichtiger werden wird, wenn man sich im dichter werdenden Dschungel aus mehr und mehr vernetzten Medien zurechtfinden möchte. Hier sind neben den Eltern auch die Schulen gefragt, und nicht zuletzt sollten auch die älteren Generationen an ihrer Medienkompetenz arbeiten.
Mit der immer größeren Verfügbarkeit von Video on Demand wird eine entsprechende Medienkompetenz noch wichtiger werden.
So gibt es im TV sicherlich einige Perlen. Hervorragende Reportagen, Dokumentationen und journalistische Arbeit, die leider kaum wahrgenommen wird.
Wir gestalten die Qualität des TV-Programms
Eigentlich gestalten wir die Qualität unseres TV-Programms also selbst. Wenn man sich die Mühe macht, sich zu informieren und vielleicht auch mal Sender schaut, die Abseits der üblichen Verdächtigen liegen, kann das TV-Programm durchaus auch überzeugen.
Ich glaube jedoch, dass beim TV – wie bei anderen Medien auch – ein Effekt eingesetzt hat, den ich mal als geistige Faulheit bezeichnen will. Programme und Medien die beim Konsumieren eine geistige Mitarbeit erfordern, scheiden bei vielen Menschen leider schon vorher aus.
Gefragt sind hingegen voyeuristische Formate, die man auf sich einprasseln lassen kann, und die beliebig austauschbar sind.
Medien aktiv nutzen und nicht passiv konsumieren
Es ist also kein Problem der TV-Landschaft sondern ein ganz allgemeines Problem, dessen Lösung in der aktiven Auseinandersetzung mit den zur Verfügung gestellten Medien besteht.
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