Journalisten und Blogger
Journalisten und Blogger
Robert vom Basic Thinking Blog trifft Ende November in der Axel Springer Akademie in Hamburg angehende Journalisten und wird mit diesen über das Thema “Journalisten und Blogger” diskutieren. Aus diesem Grund sucht er Kritiken von Bloggern an Journalisten, um eine Diskussionsgrundlage zu erhalten.
Ihr dürft jetzt also gerne und frei heraus Eure Kritiken äußern, gegenüber Bloggern und/oder der bezahlten Schreibzunft. Nehme ich mit, die dann stichwortartig auf den Beamer gejagt werden.
Das dieses Verhältnis von Bloggern und Journalisten ein weites Feld mit so vielen Meinungen ist, habe ich mich entschlossen einige meiner Gedanken in diesem Artikel hier zu verpacken.
Ich fange mal mit einem großen Vorurteil der Journalisten gegenüber den Bloggern an:
Robert zitiert die FAZ am Sonntag in der gesagt wurde:
Nervig ist auch, dass Internetfreaks sich in einer selbst angedichteten Herrlichkeit als mediale Avantgarde des 21. Jahrhunderts aufspielen und auf die traditionellen Medien herabschauen – ungefähr wie der Floh auf den Hund. Auch der holt sich seinen Content durch Saugen. ¹
Wobei “…holt sich seinen Content durch Saugen” besonders bezeichnend ist, trifft es doch bei deutschen Blogs oft zu. Dabei übersehen Journalisten aber gerne, dass es Blogs meist gar nicht um die Meldung an sich geht, sondern darum, eine Meinung zur Meldung zu äußern bzw. durch Kommentare die Meinung der Leser zu erfahren und zu diskutieren.
Journalistisches Arbeiten kostet Zeit und Geld
Das Blogs seltener eigenen journalistisch erarbeiteten Content aufweisen ist doch auch verständlich. Journalistisches Arbeiten kostet Zeit und Geld. Blogs in Deutschland sind jedoch zumeist ein Hobby und dadurch ist beides nur in gewissen Mengen verfügbar. Außerdem geht es vielen, nicht allen, Blogs eben auch eher um die Diskussion, deswegen sind “eigene” Meldungen nicht unbedingt nötig aber auch nicht unbekannt.
Viele Journalisten verstehen dies evtl. falsch und sehen Blogs deshalb als parasitäre Elemente an, die Nachrichten kopieren, um billigen Content zu erhalten. Außerdem sind Blogs für Journalisten oft die ewigen Nörgler und Kritiker.
Journalisten sollten hier etwas “dickfelliger” sein und Krtitk, egal ob positiv oder negativ, begrüßen. Wenn nicht über einen Artikel diskutiert wird, ist er entweder perfekt oder uninteressant. Und perfekte Artikel dürfte es wenige geben.
Blogs ein Feedback für die Arbeit der Journalisten
Vielleicht sollten Journalisten Blogs eher als ein Qualitätsbarometer für Ihre Arbeit sehen. Meldungen über die viel diskutiert wird, haben den Zahn der Zeit getroffen. Diskussionen zu Artikeln zeigen Interesse am vom Journalist geschaffenen Werk. Das öfter kritisiert wie gelobt wird, liegt in der Natur des Menschen und sollte den Bloggern nicht angelastet werden. Letztendlich sorgt jede Kritik für einen höheren Bekanntheitsgrad der ursprünglichen Meldung.
Vielleicht wird die Entwicklung der Blogs in Deutschland ähnlich sein wie in den USA. In den USA gibt es einige Blogs die echte journalistische Arbeit leisten, sich dafür aber auch Angestellte leisten und ein Budget haben. In kleineren Maßstäben wird sicherlich auch in deutschen Blogs schon echte journalistische Arbeit geleistet, doch die Zukunft wird sicher noch mehr bringen.
Ich denke, in ein paar Jahren wird es in Deutschland ebenfalls professionelle Blogs mit Angestellten geben die regelmäßig echten journalistisch erarbeiteten Content bieten. Genauso wird es aber auch dann noch Blogs geben, die diese Themen nur aufgreifen und mit ihrer Leserschaft diskutieren. Das war schon immer eine der Kernaufgaben eines Blogs. Meinungen äußern und Diskutieren.
Die Grenzen zwischen den klassischen Medien und Blogs werden in Zukunft sicher mehr und mehr verwischt werden. Zeitungen werden noch mehr Ressourcen für ihren Online-Auftritt einsetzen. Das Geschäft mit News wird noch schneller werden, Blogs sind das passende Medium dafür.
Schwarze Schafe gibt es überall, auch in der Blogosphäre
Fairerweise muss man aber eingestehen, dass es auch Blogs gibt, die nur Content kopieren, mit Werbung garnieren und damit Geld machen wollen. Diskussionen gibt es auf diesen Blogs natürlich auch nicht. Ich kann gut verstehen, dass Journalisten eine solche Verwertung ihrer Arbeit nicht gern sehen. Hier sind aber auch Blogger betroffen, deren Artikel auf dubiosen Blogs landen die den “geklauten” Content als Lockmittel für Suchmaschinen einsetzen um Traffic auf das mit Werbung vollgestopfte Blog zu ziehen.
Die ganze Blogosphäre aber wegen dieser Blogs zu verdammen ist sicher übertrieben.
Journalisten und Links auf Blogs
Ein Kritikpunkt von Bloggern an Journalisten sind oft fehlende Links. Wenn in Artikeln Blogs erwähnt oder zitiert werden, ist es in vielen Fällen so, dass das entsprechende Blog nicht verlinkt wird. Offenbar tun sich einige Journalisten mit Blogs schwer. Warum kein Link? Vergibt man sich damit irgendetwas?
Leider geht dieser Linkgeiz der Journalisten, die Blogger betreffend, auch unter einigen Bloggern um.
Was wird aus dem Verhältnis von Bloggern und Journalisten
Ich glaube, dass Blogs und Journalisten der klassischen Medien voneinander profitieren können. Blogs erhalten durch die Journalisten die Grundlage für viele Diskussionen und die Artikel der Journalisten erhalten ein durchaus fundiertes Feedback und einen nicht zu verachtenden Schub bei der Bekanntheit.
Viele Artikel in klassischen Medien habe ich erst gelesen, nachdem ich durch Diskussionen in Blogs darauf aufmerksam wurde.
Auf beiden Seiten fehlt es einfach nur an Verständnis (und Kenntnissen) der Arbeit “auf der anderen Seite”. Vielen Journalisten sind Blogs suspekt, ganz einfach deshalb, weil sie nie tief genug in die Materie eingestiegen sind. Vielen Bloggern fehlt dafür die nötige Anerkennung für gute journalistische Arbeit, weil sie nie wirklich journalistisch tätig waren oder sein wollten.
Und wo nun so viel von Diskussion geredet wurde, würde ich mich freuen, wenn Ihr Eure Meinung kundtut und einen Kommentar hinterlasst.
1. Weitere Meinungen zu diesem Zitat in der Blogosphäre bei
Tutsi Tivoli-Blog The Boy In The Bubble Blog ohne Namen
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