Lutz Heilmann und Wikipedia – Manche lernen es nie

Samstag, 15. November 2008, 14:24, Pierre Markuse

Lutz Heilmann und Wikipedia – Manche lernen es nie


Ja, es hat mal wieder jemand deutsche Gerichte bemüht, um Informationen über seine Person aus dem Netz zu entfernen. Diesmal Lutz Heilmann, Mitglied des Bundestages für “Die Linke“.

Wikimedia Deutschland wird per einstweiliger Verfügung des LG Lübeck, erwirkt durch Lutz Heilmann, verboten die Domain wikipedia.de auf de.wikipedia.org umzuleiten, solange diese “bestimmte Äußerungen” über Lutz Heilmann beinhaltet.

Ich frage mich ja, ob es manche wirklich nie lernen. Durch diese Aktion wird Lutz Heilmann nur noch mehr Aufmerksamtkeit auf die Dinge lenken, von denen er nicht möchte, dass andere sie erfahren.

Die deutsche Wikipedia selbst bleibt unter de.wikipedia.org natürlich weiter zu erreichen.

Wie es mit der einstweiligen Verfügung weitergeht, wird sich zeigen. Wikimedia Deutschland e.V. wird sicherlich dagegen vorgehen.

Bleibt die Frage: Warum?

Glaubt Lutz Heilmann wirklich, auf diese Weise Informationen aus dem Netz entfernen zu können? Ist es nur eine PR-Masche des Politikers? Wurde er schlecht beraten? Man weiß es nicht. Ich hoffe jedoch, dass solche Darbietungen nicht Schule machen.

Allerdings zeigen solche Aktionen auch immer wieder, wie fremd das Medium Internet den meisten Politikern noch ist. Und wie wichtig ein Fachanwalt für Medienrecht bei einigen Webseiten sein kann.

Update:

Lest Euch auch diesen Artikel hier bei Focus-Online durch. Hier wird etwas deutlicher, warum Lutz Heilmann die einstweilige Verfügung erwirkt hat. Außerdem wird berichtet, dass Lutz Heilmann außerdem drei Wikipedia-Autoren verklagt hat.

Ich kann ja gut verstehen, dass man nicht gerne alles über sich im Internet liest. Dies betrifft natürlich insbesondere evtl. Falschinformationen. Doch wenn man glaubt, die unliebsamen Informationen über sich mit Klagen aus dem Internet entfernen zu können, hat man das Internet nicht verstanden. Gerade als Person die im Lichte der Öffentlichkeit steht, wie ein MdB, muss man damit rechnen, dass andere Webseiten eine solche Geschichte aufgreifen. Damit hat man Informationen dann erst wirklich “unter die Leute gebracht”.

Update 2:

Bitte lest auch folgenden Artikel zu Lutz Heilmann und den Reaktionen im Internet!

 

Inhalt von www.wikipedia.de wegen der einstweiligen Verfügung:

Mit einstweiliger Verfügung des Landgerichts Lübeck vom 13. November 2008, erwirkt durch Lutz Heilmann, MdB (Die Linke), wird es dem Wikimedia Deutschland e.V. untersagt, “die Internetadresse wikipedia.de auf die Internetadresse de.wikipedia.org weiterzuleiten”, solange “unter der Internet-Adresse de.wikipedia.org” bestimmte Äußerungen über Lutz Heilmann vorgehalten werden. Bis auf Weiteres muss das Angebot auf wikipedia.de in seiner bisherigen Form daher eingestellt werden. Der Wikimedia Deutschland e.V. wird gegen den Beschluss Widerspruch einlegen.

Der Wikimedia Deutschland e.V. ist nicht Anbieter der unter de.wikipedia.org zugänglich gemachten “Wikipedia” und hat auch keinen Einfluss auf die in der Online-Enzyklopädie abrufbaren Inhalte. Der Wikimedia Deutschland e.V. ist vielmehr ein gemeinnütziger Verein zur Förderung Freien Wissens, der lediglich über die Anwendung der Wikipedia aufklärt. Betreiber der Enzyklopädie ist die in der Anbieterkennzeichnung der Enzyklopädie genannte Wikimedia Foundation, eine in Florida, Vereinigte Staaten, inkorporierte Stiftung mit Sitz in San Francisco.

Weitere Seiten zum Thema:

BräklingDe Web 2.0 Du.de Hasenfarm Law Blog Claudia Sommer

Nerdcore Millus Spreeblick Duckhome Funkfeuer Alter Falter!

zweipunktnull Mark Seibert Netzpolitik.org Handelsblatt Blog

Außerdem: heise online





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19 Responses to “Lutz Heilmann und Wikipedia – Manche lernen es nie”

  1. [...] Manche Lernen es nie – Pierre Markuse [...]

  2. [...] meine ich nicht nur die deutsche Presse sondern vor allen Dingen die riesige Blogosphäre. Es gibt bereits Dutzende von Seiten zu dem Thema und täglich werden es mehr – inklusive meinem eigenen [...]

  3. Diese Aktion ist an Unnötigkeit kaum mehr zu übertreffen. Es kursieren ja derzeit massig Blogartikel zu dem Thema und ich war zur Sicherheit mal kurz auf Wikipedia – alles im Normalzustand.
    Auf die .de-Domain kann ich gerne verzichten! Ich benutzte eh schon immer de.wikipedia.org!

  4. @mumie99:

    Das kommt davon wenn Politiker vom Internet nichts verstehen. Ich frage mich, was er damit erreichen möchte, außer natürlich seiner Partei nicht gerade gute Presse zu beschaffen.

  5. Jan

    Was für eine bescheidene Aktion. Vor allem bringt das ja auch soo unglaublich viel, in Zeiten von Wikipedia-Suchplugins in jedem Browser und natürlich Goooogle in jedem User-Hinterkopf.

  6. Fehlende Medienkompetenz der Politiker :-)

  7. [...] Kennen sie den Streisand-Effekt? Lutz Heilmann kannte ihn offenbar nicht. Der Streisand-Effekt ist ein Phänomen im Internet: Der Versuch, bestimmte Informationen zu entfernen, kann dazu führen, dass diese noch stärker verbreitet werden. Grund für das Entfernen von Informationen kann eine angenommene Verletzung von Persönlichkeitsrechten sein. Beispielsweise wird dabei der Zugriff auf ein Foto, eine Datei oder auch auf eine vollständige Website beziehungsweise dessen Bereitstellung durch vorläufigen Rechtsschutz untersagt. Anstatt dass die Information unterdrückt wird, breitet sie sich oft durch so genannte Spiegelungen im Internet oder Verbreitung in Filesharing-Netzen aus. Der Effekt ist verwandt mit der Beobachtung John Gilmores, dass „das Internet die Unterdrückung von Inhalten als Störung interpretiert und eine Ausweich-Route benutzt“ oder vergleichbar mit einem regenerativen Organismus. Der Effekt entsteht aber nicht automatisch, sondern ist eine gezielte und bewusste Handlung vieler Individuen, aus Neugier oder Überzeugung, etwa zur aktiven Bekämpfung von Zensur. (http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt) [...]

  8. [...] Ziemlich seltsame Aktion; ich persönlich kann darin fast keinen Sinn erkennen. Aber gut, der Gebrauch dieses Rechtsmittel steht ja jedem frei. [...]

  9. Peter Funger

    Wird Zeit,daß diese roten Säue endlich aus der Politik entfernt werden.

  10. Es mag sein das dem vermutlichen … Lutz Heilmann bitter Unrecht getan wird, wenn behautet wird, dass er ein … gewesen sei. Jemand der als Antwort auf ein mögliches Unrecht nur Zensur kennt, erklärt sich damit schon mal für schuldig. Zumal er gegen den völlig Falschen klagt.

    Admin: Ich habe sicherheitshalber etwas editiert, sorry. Aber bei solchen Leuten weiß man nie.

  11. Dirk

    Ich denke, dass wird ein Schuss nach hinten.
    Wie blöd muß man dafür eigentlich sein ??????

  12. Fränk

    Ich kannte diesen Typ vorher gar nicht.
    Jetzt wird er einfach nur die Lachnummer bei jedem Smalltalk, den ich in nächster Zeit halten werde *grins*
    Klassisches Eigentor, Herr Hei(nze)lmann

  13. El Barto

    Tja, jetzt ist der Erich.. äh ich meine der Ulbric… , nee quatsch der Lutz im ganzen Land bekannt, genau so wie Methoden seiner Partei und deren williger Vollstrecker.
    Also Heute lutz, morgen Gregor…

    WEHRET DEN ANFÄNGEN…

  14. WUTZi

    Nun ja – ein Gericht in Deutschland hat – wenn auch bislang nur in einem “Schnellverfahren – (vorläufig) Recht gesprochen.

    Aber, aber – wie kann es allerdings sein, dass ein Mitglied der LINKEN Recht zugesprochen erhält…??? Oder wurde etwa das Kieler Gericht von den “Roten” gekauft, weshalb Wikipedia.de (e.V.) gegen den “roten Lutz” unterlegen blieb….??

    Offensichtlich lernten die Erzkonservativen bislang nichts zum Thema “Toleranz” und erst recht nichts zur “Rechtsakzeptanz”. Das ist jedenfalls sehr bemerkenswert …. wenn auch nicht nachvollziehbar verständlich.

    Nur weil dem “Genossen Lutz” sein (wie das nur dem Gesetz unterworfene Gericht festhielt) Recht zugebilligt wurde, diesem sein Recht dadurch absprechen zu wollen, weil er zu den “Roten” (Linken) gehört, halte ich für skandalös und ein Beweis dafür, dass es mit der Liberalität und Freiheit in Deutschland offensichtlich nicht weit her ist.

    Ein Glück jedoch, dass die deutsche Gerichtsbarkeit nicht am Stammtisch ihr Urteil findet, sondern von Juristen herbeigeführt wird, die unabhängig und nach Maßgabe der Gesetzesvorgaben (und nicht nach irgendwelcher “Moral”) ihre Rechtssprechung findet.

  15. [...] Pierre Markuse gibt es auch noch einen Bericht dazu und dort finden sich auch noch zig andere Links, die den Fall [...]

  16. [...] Heilmann in den letzten Tagen verbreitet hat, ist es richtig und wichtig, dass man sich wehrt und ihm den Wahnsinn seines Tuns vorführt. Ansätze von Verleumdung wie er unter der neu eingerichteten [...]

  17. [...] Artikel des Tages Medion Akoya S5610 bei Aldi CoD5 World at War Patch 1.0.1 Lutz Heilmann und die Wikipedia [...]

  18. [...] Die gesamte Story, die sich dieses Wochenende rund um Wikipedia.de und Lutz Heilmann abgespielt hat, ist mit Abstand eines der größten Netz-Highlights dieses Jahres. Wer hätte schon gedacht, dass ein Bundestagsabgeordneter direkt vor Gericht zieht und gleich eine gesamte Domain sperren lässt, weil er sich verunglimpft fühlt? Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse: Lutz Heilmann, Mitglied des Bundestags (Die Linke) sieht sich in einem Wikipedia Artikel verunglimpft und erwirkt vom dem LG Lübeck eine einstweilige Verfügung, die Wikimedia Deutschland e.V. (Eigentümer von wikipedia.de) dazu zwingt, die Domain kurzerhand zu sperren. [...]

  19. [...] Heilmann in den letzten Tagen verbreitet hat, ist es richtig und wichtig, dass man sich wehrt und ihm den Wahnsinn seines Tuns vorführt. Ansätze von Verleumdung wie sie unter der neu eingerichteten [...]

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